Der Deutsche Caritasverband (DCV) begrüßt, dass die EU-Kommission mit ihrem "EU KIDS Act" auf die Herausforderungen veränderter Lebenswirklichkeiten von Kindern in Zeiten der KI reagiert und einen Rahmen für ein gemeinsames Vorgehen der europäischen Mitgliedsländer schaffen will. Vorschriften für eine altersabhängige Nutzung von Social-Media-Plattformen und neue Angebote wie AI-Companions ("KI-Begleiter"), die sich am Kinder- und Jugendschutz ausrichten, sind überfällig; sie müssen rasch umgesetzt und schrittweise weiterentwickelt werden, betont der DCV. Er appelliert an die Bundesregierung, parallel auf nationaler Ebene die nötigen Schritte zu tun, um die digitale Teilhabe, die Medienbildung und den Kinder- und Jugendschutz im digitalen Raum zu verbessern.
Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa: "Schutz und Befähigung von Kindern und Jugendlichen gehören untrennbar zusammen - im digitalen und im analogen Raum. Wir müssen kindgerechte analoge Erfahrungswelten sichern und Eltern in Zeiten der Tiktokisierung befähigen, Kreativität, Urteilskraft, Empathie und Resilienz ihrer Kinder zu stärken. Es braucht Kindheitserinnerung an den Geschmack von Sand zwischen den Zähnen, um als Jugendlicher der omnipräsenten Medialisierung gewachsen zu sein. Dabei dürfen Eltern, Lehrer und Kinder nicht länger schutzlos großen Digital-Plattformen ausgeliefert sein, deren Geschäftsmodelle darauf ausgelegt sind, die Aufmerksamkeit ihrer Nutzer:innen mit hohem Suchtpotenzial kommerziell auszunutzen."
"Empowerment in der digitalen Transformation heißt, dass Anbieter von Plattformen verbindlichen Regeln unterworfen werden, die sie zu Transparenz bei der Gestaltung der Algorithmen verpflichten und ‚Jugendschutz by design‘ ermöglichen. Gefahren wie Cybermobbing, sexualisierte Ansprache oder extremistische Inhalte müssen sehr ernst genommen werden. Dazu sind Kinder und Jugendliche an der Gestaltung "ihrer" digitalen Räume zu beteiligen", so Welskop-Deffaa.
Altersgerechte Zugänge schaffen
Das bestehende Recht muss den Plattformen gegenüber konsequent durchgesetzt werden. Verstöße gegen den Kinder- und Jugendschutz müssen wirksam sanktioniert, rechtswidrige Inhalte schneller gemeldet und gelöscht werden. Hier sind EU-Kommission, Bund, Länder, und nicht zuletzt die Plattformen in der Verantwortung. Dies muss sich auch in dem von Bundesfamilienministerin Karin Prien angekündigten Sofortmaßnahmenprogramm sowie der anvisierten Gesetzesinitiative im Deutschen Bundestag widerspiegeln.
Medienkompetenzen stärken, Unterstützungsangebote ausbauen
Digitale Medienkompetenz muss viel stärker in den Fokus genommen werden, damit sich Kinder und Jugendliche in einer digitalisierten Welt gut und altersgerecht zurechtfinden. Medienbildung ist für junge Menschen, wie auch Eltern, Erzieher:innen und Betreuer:innen absolut notwendig, Schulsozialarbeit und Jugendsozialarbeit müssen systematisch einbezogen werden.
Kinder und Jugendliche, die Cybermobbing, digitaler Gewalt, Radikalisierung oder problematischer Mediennutzung ausgesetzt sind, brauchen schnell erreichbare Hilfe. Niedrigschwellige Beratungsstellen, Online-Beratungen wie das Online-Beratungsangebot U25 der Caritas für suizidgefährdete Jugendliche, digitales Streetwork und Angebote zur Stärkung der mentalen Gesundheit müssen ausgebaut und verlässlich finanziert werden. Vor allem aber müssen analoge Begegnungsräume offengehalten und Investitionen in Bildung priorisiert werden.
"Wir haben lange darüber diskutiert, wie Kinder lernen können, mit den Risiken der Plattformen umzugehen. Jetzt müssen wir dafür Sorge tragen, dass sich die Plattformen verändern, damit Kinder auch in Zeiten der KI sicher aufwachsen können. Kinder brauchen Schutz, Befähigung und Freiräume, online genauso wie offline", unterstreicht die Caritas-Präsidentin.