Zum Welthospiztag fordert die Caritas, die Hospiz- und Palliativversorgung im geplanten Suizidpräventionsgesetz zu stärken. "Solange Menschen Angst haben, bei einer schweren Erkrankung über Monate mit Schmerzen allein gelassen zu werden, kann Suizidassistenz ihnen leicht als attraktive Alternative erscheinen. Das Versprechen einer guten Palliativversorgung und einer guten Begleitung Sterbenskranker mit den Angeboten der Hospizarbeit ist daher im besten Sinne Suizidprävention", betont Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa.
In Deutschland sterben jeden Tag über 2.700 Menschen, die meisten nach längerer Krankheit. Mehr als 140.000 Menschen begleiten sie ehren- oder hauptamtlich in der Hospiz- und Palliativarbeit. Gleichzeitig nehmen sich jedes Jahr in Deutschland über 10.000 Menschen das Leben. Zunehmend sind darunter auch viele ältere Frauen, die Suizidassistenz in Anspruch nehmen.
Hinter Todeswünschen stehen oft Ängste
Todeswünsche sind oft Hilferufe. Dahinter stehen Ängste: vor Schmerzen, vor ungewisser Pflege. Besonders alte, schwerkranke Menschen haben Furcht vor einem langsamen Sterben in Einsamkeit und vor unerträglichen Schmerzen.
Ältere Frauen sorgen sich häufig, ihren Angehörigen oder der Gesellschaft in einer langen Phase des Leidens zur Last zu fallen. Ein assistierter Suizid erscheint dann als einfachster Ausweg. Hospizliche und palliative Begleitung kann diese Ängste nehmen und Menschen die Zuversicht geben, dass auch die Phase des nahenden Todes ein wichtiger Teil des Lebens ist.
Eva Welskop-Deffaa: "Hospizarbeit nimmt die Erfahrung des Sterbenwollens ernst. Die beruflich und ehrenamtlich in der Hospizarbeit Engagierten bleiben mit den sterbenskranken Menschen im Gespräch, sie nehmen ihnen Ängste und helfen zum Leben. Jeder Mensch muss im Bedarfsfall eine gute Palliativversorgung bekommen. Die britische Abgeordnete Ashley Dalton hat es in ihrer viel beachteten Rede vor dem britischen Unterhaus im September so gesagt: ‚Wo die Alternative zum assistierten Freitod nur ein langes schmerzhaftes Sterben zu sein scheint, wird die Wahl zur Drohung.‘ Dem stimmen wir zu. Wir brauchen eine verlässliche Refinanzierung der Hospiz- und Palliativversorgung und ein Suizidpräventionsgesetz, das diese Arbeit als Teil zielgruppenspezifischer Suizidprävention absichert."
Appell an die Politik
Die Caritas wünscht sich mehr hospizlich und palliativ qualifiziertes Personal in der Altenhilfe. In Krankenhäusern braucht es weitere Palliativstationen und in der häuslichen Versorgung muss psychosoziale Begleitung ein fester Teil der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) werden. Pflege- und Gesundheitseinrichtungen sollten sich dafür entscheiden können, frei von Suizidassistenz zu bleiben und stattdessen qualifizierte Begleitung und suizidpräventive Angebote zu machen.