Es ist Donnerstagnachmittag kurz nach 16 Uhr: "Ein Stern" von DJ Ötzi" und "Ohne dich" von der Münchner Freiheit schallen durch die Flure des Franziskushauses in Weißenthurm. In dem Caritas-Wohnhaus im Herzen der Stadt leben zurzeit 23 Menschen mit geistiger Behinderung. Einmal in der Woche liegen Musik und Lebensfreude in der Luft, wenn Jürgen Jachmig mit der Gitarre und weiteren Rhythmusinstrumenten vorbeikommt. Der 70-Jährige engagiert sich seit eineinhalb Jahren ehrenamtlich, sehr zu Freude der Bewohner.
Talente entdecken und Gemeinschaft erleben
Musik liegt in der Luft und verbindet: Die Bewohner entdecken ihre Talente und genießen das starke Gemeinschaftsgefühl.Foto: Marco Wagner
Nach dem Nachmittagskaffee treffen sich zwölf bis fünfzehn begeisterte Teilnehmende im großen Gemeinschaftsraum. "Musik verbindet Menschen", berichtet Jürgen Jachmig. "Jede und jeder kann die eigenen Talente entdecken, Erfolgserlebnisse sammeln und das wunderbares Gemeinschaftsgefühl erleben." Der Ruheständler kann auf jahrzehntelange Berufserfahrung als Sozialpädagoge und Familientherapeut zurückgreifen. Die Liebe zur Musik begleitet ihn fast sein Leben lang, seit er als Pfadfinder mit neun Jahren zum ersten Mal mit einer Gitarre am Lagerfeuer spielte. "Ich bin Autodidakt", schmunzelt der im Koblenzer Stadtteil Güls lebende Ehrenamtliche. "Mit meiner Band spiele ich Rock und Blues, auf privaten Feiern gerne auch mal Schlager und Stimmungslieder. Im Haus St. Franziskus geben die Bewohner den Takt an." Sie äußern ihre Liedwünsche, die dann gemeinsam umgesetzt bzw. gesungen werden.
Musikalische Puzzlestücke begeistern als eingespielte Gruppe das Publikum
"Irgendwie, irgendwo, irgendwann" von Nena, "Ich bin wieder hier" von Marius Müller-Westernhagen oder "Schatzi, schenk mir ein Foto" von Mickie Krause: Das Repertoire glänzt durch Vielfalt, Lebensfreude und Begeisterung. Gemeinsam werden Rhythmen geprobt und Texte einstudiert. Jürgen Jachmig gibt wichtige Tipps aus seinem reichhaltigen musikalischen Erfahrungsschatz und geht individuell auf jede Person ein. Aus vielen Puzzlestücken kreiert er eine eingespielte Gruppe, in der nicht jeder Ton getroffen werden muss. Wichtiger sind für alle Beteiligten der Spaß und das Wir-Gefühl. Dieses Gefühl ist nicht nur im Haus St. Franziskus spürbar. Bei öffentlichen Auftritten an Karneval oder dem eigenen Sommerfest wurden die Künstler von ihrem Publikum bereits mit tosendem Applaus belohnt. Krönende Zugabe, bei der kein Tanzbein ruhig bleiben kann, ist die eigene Hymne "Samba de Janeiro", die kreativ in "Samba Weißenthurm" umgestaltet wurde.
Dankbar für das ehrenamtliche Geschenk
Für das Caritas-Haus ist der sympathische Musiker ein großes Geschenk. "Wir sind Jürgen Jachmig sehr dankbar für das großartige ehrenamtliche Engagement", strahlt Hausleiterin Sigrid Scherbarth-Wecker. "Unsere Bewohner sind begeistert und fiebern Woche für Woche der gemeinsamen Musikzeit entgegen." Geht es nach Jürgen Jachmig, dann dürfen sich die Bewohner auf viele weitere Musiknachmittage und Auftritte freuen. "Es ist für mich eine sehr erfüllende Zeit. Ich spüre eine große Verbundenheit mit den Menschen im Haus St. Franziskus."